Die E(li)ssenz der Dankbarkeit.
In 12 Tagen über 150 km durch die Sahara.
Es war heiß. Sehr heiß.
Wie überrascht wärst du, wenn ich dir sage, dass es in der Wüste heiß ist?
Warte, gar nicht?
Was schreibe ich dann in diesen Einleitungstext?
Vielleicht das hier: diese Challenge war mein erstes richtiges Outdoor-Abenteuer. Also mit Zelt und so, ihr wisst schon.
Wozu das erste Mal im heimischen Vorgarten zelten, wenn die Sahara praktisch um die kontinentale Ecke liegt?
Das erste Mal auf Komfort verzichten. Das erste Mal kein fließendes Wasser, keine sanitären Anlagen. Ausgesetzt an einem Ort fernab von jeglichem Tourismus.
Gemeinsam mit einer Gruppe anderer junger Menschen wurden wir von Mustapha, einem dort lebenden Nomaden, 12 Tage durch die Sahara geführt. Und das war bis dato mein mit Abstand härtestes Abenteuer.
The Desert can't be told.
Sagt Mustapha. Ich hab's trotzdem versucht.
Die E(li)ssenz der Dankbarkeit.
Je länger ich in der Wüste war, desto schlichter wurden meine Bedürfnisse. Habe ich am Anfang noch ein Bett vermisst, freute ich mich gegen Ende über jeden kleinen Schatten. Jeder Schluck Wasser war ein Geschenk, auch wenn es faktisch nur eine warme Brühe war.
Ich erinnere mich bis heute an den ersten Schluck kalte Limo nach der Ankunft am Zielort. Glücksgefühle durchfluteten meinen Körper. Ich freute mich wie ein Kind, das zu Weihnachten genau das geschenkt bekommt, was es sich gewünscht hat.
Das ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Zu sehen, unter welchen Bedingungen Menschen, Tiere und Pflanzen in dieser Klimazone leben, hat mir ziemlich eindrücklich gezeigt, wie privilegiert wir in Mitteleuropa eigentlich sind.
Ich glaube, es ist vollkommen normal, hin und wieder unzufrieden zu sein. Aber vielleicht ist Dankbarkeit eines der besten Mittel dagegen, dauerhaft zu vergessen, wie viel man eigentlich schon hat.
Oder? Was denkt ihr?
